Maschinenbauer zunehmend unter Druck
Viele deutsche Maschinen- und Anlagenbauer rechnen mit einem Verlust ihrer Technologieführerschaft. Vor allem Wettbewerber aus China und den USA setzen die Branche unter Druck. Eine aktuelle Allensbach-Befragung zeigt, wie stark Unternehmen betroffen sind und mit welchen Maßnahmen sie auf wachsenden Wettbewerbs- und Strukturwandel reagieren.
Mehr als die Hälfte der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer geht davon aus, dass die Technologieführerschaft künftig ins Ausland abwandert oder bereits verloren gegangen ist. Besonders Wettbewerber aus China und den USA werden als Treiber gesehen. Sieben von zehn Unternehmen erwarten dadurch starke oder sehr starke Auswirkungen auf ihr Geschäft. Ein Markteintritt chinesischer Hersteller in Europa gilt nahezu branchenweit als wahrscheinlich.
Die betroffenen Unternehmen reagieren mit unterschiedlichen Maßnahmen. Ein Großteil investiert verstärkt in eigene Software- und IT-Kompetenz und beschleunigt Innovationszyklen. Rund zwei Drittel intensivieren zudem die Zusammenarbeit mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen oder richten ihr Geschäft stärker auf spezialisierte Nischen aus. Technologiepartnerschaften mit US- oder asiatischen Unternehmen spielen bislang nur für eine Minderheit eine Rolle.
Neben der internationalen Konkurrenz verschärfen weitere Entwicklungen den Druck. Knapp ein Drittel der Unternehmen berichtet von finanziellen Nachteilen, weil Wartungs- und Serviceleistungen zunehmend von Drittanbietern übernommen werden – etwa durch digitale Plattformen, Automatisierung oder KI-basierte Angebote. Damit geraten etablierte Serviceumsätze unter Druck.
„Dass eine Mehrheit der Maschinenbauer den Verlust der Technologieführerschaft erwartet, hätte vor wenigen Jahren noch als undenkbar gegolten. Wir sehen das im Markt heute schon in einigen Fällen wie beim Werkzeug- und Spritzgussmaschinenbau“, sagt Philipp Oemler, Senior Managing Director bei FTI-Andersch.
„Entscheidend ist nun, wie Unternehmen darauf reagieren. Klassische Instrumente wie Fokussierung können im Einzelfall sinnvoll sein, greifen aber zu kurz, wenn sie nicht Teil einer ganzheitlichen Transformation sind. Ein reines ‚Weiter-mit-dem-Markt-wachsen‘ wird in vielen Fällen nicht mehr ausreichen. Gefragt sind gezielte Anpassungen von Geschäftsmodellen, Portfolios und Wertschöpfung an die neuen Wettbewerbsrealitäten.“
Auch neue Erlösmodelle oder Beteiligungen an (KI-)Start-ups werden diskutiert, spielen bislang jedoch nur für einen kleineren Teil der Unternehmen eine Rolle. Die Ergebnisse basieren auf einer Befragung von Vorständen und Geschäftsführern deutscher Industrieunternehmen durch das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag von FTI-Andersch.
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