Fertigungsindustrie: Rückfall droht durch zögerliche Digitalisierung
Eine neue Studie von IFS, einem Anbieter von Cloud- und KI-Software für Unternehmen, verdeutlicht, dass die Fertigungsindustrie an einem kritischen Wendepunkt steht. Obwohl sich Produktionsunternehmen der Notwendigkeit einer digitalen Transformation bewusst sind, verhindern fehlende Strategien und ein Überangebot an technologischen Lösungen ein entschiedenes Handeln.
Die von IFS durchgeführte Studie kommt zu alarmierenden Ergebnissen: 82 Prozent der Hersteller glauben, dass ihr Unternehmen nicht länger als drei Jahre ohne verstärktes Technologieengagement überleben kann.
Marktturbulenzen, Lieferkettenprobleme und der Klimawandel machen die digitale Transformation zur Notwendigkeit. Digital führende Unternehmen zeigen sich hier deutlich widerstandsfähiger: 28 Prozent von ihnen glauben, bis zu fünf Jahre ohne neue Investitionen bestehen zu können.
Vielfalt der Technologien erschwert Entscheidungen
Viele Unternehmen haben Schwierigkeiten, ihre Digitalisierungsstrategie zu priorisieren. Mehr als 80 Prozent der Befragten halten jede der untersuchten Technologien für wichtig, was zu Unsicherheit führt. Zudem setzen verschiedene Hierarchieebenen unterschiedliche Schwerpunkte.
Während 94 Prozent der C-Level-Manager Cloud Computing als zentral erachten, sehen 81 Prozent der Bereichsleiter das IoT (Internet of Things) als entscheidend an. Operative Mitarbeiter priorisieren digitale Zwillinge (85 Prozent) und künstliche Intelligenz (84 Prozent). Diese Uneinigkeit vergrößert die Kluft zwischen Nachzüglern und digitalen Vorreitern, die bereits 45 Prozent ihres IT-Budgets in Transformationsprojekte investieren.
Ein weiteres Hindernis: 22 Prozent der Hersteller sehen Change Management als größte Herausforderung, 21 Prozent nennen die Komplexität der IT-Infrastruktur als Problem. Ohne Lösungen in diesen Bereichen drohen erhebliche wirtschaftliche Einbußen. Auch im Bereich ESG (Environmental, Social and Governance) gibt es Nachholbedarf: Nur 39 Prozent der Unternehmen entwickeln aktiv ESG-Initiativen, 71 Prozentverfügen über keine belastbare Strategie.
Optimismus trotz Herausforderungen
Trotz aller Schwierigkeiten gibt es positive Entwicklungen: 98 Prozent der Hersteller zeigen Interesse an neuen Lieferkettenstrategien, um ihre Resilienz zu stärken. Während digitale Vorreiter auf fortschrittliche Szenario-Simulationen setzen, verlassen sich Nachzügler häufig noch auf isolierte Risikobewertungstools.
Auch in der Nachhaltigkeit zeigt sich Fortschritt. ESG-Maßnahmen gehen zunehmend über bloße Regelerfüllung hinaus und tragen zur Prozessoptimierung bei. Modelle wie die Kreislaufwirtschaft könnten langfristig zu einer nachhaltigen Transformation der Branche beitragen.
Warnung vor Untätigkeit
„Die Fertigungsindustrie steht an einem Wendepunkt“, erklärt Maggie Slowik, Industry Director für Manufacturing bei IFS. „Obwohl die meisten Unternehmen die Dringlichkeit der digitalen Transformation erkannt haben, dominiert noch zu oft die Unentschlossenheit. Sie warten auf bewährte Ergebnisse oder die Unterstützung durch einen vertrauenswürdigen Partner, bevor sie handeln. Dieses Zögern birgt Risiken: Je länger Hersteller abwarten, desto weiter fallen sie zurück. In einem volatilen Markt sind Resilienz und digitale Reife nicht nur Wettbewerbsvorteile – sie sind essenziell für das Überleben.“
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