Rechenzentren für die Energiewende?
Der Strombedarf von Rechenzentren steht immer wieder in der Kritik – oft im Kontext von KI. Dabei ist mit einer zurückgehenden Nachfrage für Rechenleistung zukünftig nicht zu rechen – sie weiter steigen. Damit wächst auch der Bedarf nach neuen Rechenzentren als Rückgrat der digitalen Wirtschaft.
Um das Dilemma von steigenden Anforderungen an die digitale Infrastruktur einerseits und zunehmendem Stromverbrauch andererseits aufzulösen, bedarf es effizienterer Hardware, neuen Kühlkonzepten und ganzheitlicher Energie-Systemdesigns.
Dies allein ist jedoch noch nicht ausreichend. Rechenzentren sollten künftig nicht mehr nur als passive Energieverbraucher betrachtet werden, sondern als aktive Komponenten eines flexiblen Stromnetzes. Dafür ist ein grundlegendes Umdenken im Verständnis unserer Strominfrastruktur notwendig: Das traditionelle Netzmodell – eine starre Baumstruktur, in der Energie ausschließlich vom zentralen Erzeuger zum Verbraucher fließt – entspricht nicht mehr den Anforderungen unserer Zeit.
Ein zukunftsfähiges Netz, das erneuerbare Energien optimal integriert, muss zellular aufgebaut und bidirektional sein. In einem solchen System können auch Rechenzentren eine gestaltende Rolle übernehmen. Dafür ist es jedoch notwendig, dass Betreiber über die reine Verbrauchsoptimierung hinausdenken und sich für die aktive Zusammenarbeit mit dem Netz öffnen.
Moderne Technologien bieten hier bereits konkrete Möglichkeiten, zum Beispiel indem Teile der Batteriespeicher einer USV-Anlage im Rechenzentrum als Flexibilitätsreserve für Netzbetreiber bereitgestellt werden. Die Batterien moderner Anlagen zur unterbrechungsfreien Stromversorgung sind schließlich im Regelbetrieb stets auf Standby.
Da die Flexibilitätsreserve sehr kurzen Lade-/Entladezyklen zur Aufrechterhaltung der Netzfrequenz dient, werden die USV-Batterien nur so weit entladen, dass ihre Grundfunktion gewährleistet bleibt. In Kooperation mit Microsoft hat Eaton die Fähigkeit zur Bereitstellung kurzfristiger Regelenergie (Fast Frequency Response) durch USV-Batterien bereits praktisch getestet.
Bei der Planung neuer Rechenzentren sollten energetische Aspekte und die Integration in ein (zellulares) Stromnetz bereits mitgedacht werden. Dafür sorgen allein schon neue Regularien: Das Energieeffizienzgesetz sieht vor, dass Rechenzentren, die ab Juli 2026 an den Start gehen, einen PUE-Wert (Power Usage Effectiveness) von maximal 1,2 und einen ERF-Wert (Energy Reuse Factor) von mindestens 10 Prozent erreichen müssen.
Während PUE lange Zeit die wichtigste Metrik für die Beurteilung von Rechenzentren war, werden heute noch andere Werte CUE (Carbon Usage Effectiveness) einbezogen. Betreiber müssen heute also ganzheitlich denken. Dazu gehört auch, Möglichkeiten eigener Energieerzeugung auf dem Gelände, beispielsweise durch Photovoltaik, zu prüfen und Konzepte für sinnvolle Abwärmenutzung zu erstellen.
Ein Rechenzentrum der Zukunft sollte keine Belastung für lokale Energieinfrastrukturen, vor allem das Stromnetz darstellen, sondern diese aktiv unterstützen.
Autor: Andreas Rockenbauch, Data Center Sales Leader Germany, Eaton
Links:
Verwandte Artikel
Politik & Wirtschaft
-
Partnerschaft: Sparepartsnow und Walter
Walter und Sparepartsnow kooperieren künftig im digitalen Vertrieb von Zerspanungswerkzeugen....
Condition Monitoring
-
KI-basierte Zustandsüberwachung
Neue Lösung kennt und identifiziert die Ursachen von Maschinenausfällen
Drucklufttechnik
-
Die IFAT-Neuheiten von Aerzen
Mit neuen Gebläse- und Turbotechnologien adressierte Aerzen auf der IFAT...
Arbeitssicherheit
-
Sicher arbeiten auf dem Dach
Regelmäßige Wartungs- und Inspektionsarbeiten auf Dächern erfordern wirksame Absturzsicherungen. Krause...
Reinigung
-
Nilfisk unter neuem Dach
Der Reinigungsgerätehersteller Nilfisk gehört seit Mitte April 2026 zu Freudenberg...
Energie-Effizienz
-
Den Verbrauch von den Preisen abkoppeln
Das Start-up Fion Energy setzt auf KI-gesteuerte Batteriespeicher, um Energieverbräuche...
Fertigungstechnik
-
Flexibilisierung und Beschleunigung der Entwicklungsprozesse
Seit geraumer Zeit schon nutzen die Ingenieure der deutschen Tartler...
Zulieferteile
-
Die Conrad Bibel ist zurück
Nach acht Jahren Pause veröffentlicht Conrad einen neuen, 960 Seiten...
Wartungs- & Werkstattbedarf
-
Service-Lifte für Brückenpylone
Individuelle Zugangslösung erleichtert Wartung der neuen Rheinbrücke Leverkusen
Messen & Überwachen
-
Webinar: Gelblicht gezielt planen und einsetzen
Regiolux lädt morgen, am 19.05.2026 ab 9.30 Uhr, zum kostenlosen...
Antriebs- & Steuerungstechnik
-
High-Speed-Kompetenz bei 12.000 U/min
Neue Gehäusefreilauf-Baureihe von Ringspann für High-Speed-Anwendungen
Facility Management
-
Sanierung mit System
Mit Sanierungplus positioniert sich Lichtwerk als Anbieter für ganzheitliche Beleuchtungssanierungen...
Materialfluss
-
Modulares System für Routenzüge
Mit der Adapterpalette Industry stellt die Feil Rolltainer GmbH ein...
Themen
- Antriebs- & Steuerungstechnik
- Arbeitssicherheit
- Condition Monitoring
- Drucklufttechnik
- Energie-Effizienz
- Facility Management
- Fertigungstechnik
- Industrie-Service
- Management & Technologie
- Materialfluss
- Messen & Events
- Messtechnik & Überwachungstechnik
- Politik & Wirtschaft
- Reinigung
- Wartungs- & Werkstattbedarf
- Zulieferteile
Newsletter
ABONNEMENT
Ein Jahresabonnement der B&I beinhaltet 6 Ausgaben, für 45,- EUR inkl. MWSt..
Verpassen Sie keine Ausgabe mehr!
Jetzt sichern!







