Photovoltaik boomt – Arbeitsunfälle auch
Der Boom in der Solarbranche ist zwar ein Segen für die Umwelt, hat aber auch seine Schattenseiten. So nahmen Arbeitsunfälle in der Höhe in den letzten Jahren deutlich zu, vor allem bei der Installation von Photovoltaik-Anlagen. Einige Betriebe haben versäumt, derzeitige Schutzausrüstungen auf ihre Praxistauglichkeit zu hinterfragen und sollten jetzt umgehend handeln. Warum, das erklären die Experten von Zarges in diesem Fachbeitrag.
Das Geschäft mit der Photovoltaik (PV) boomt, sodass auf Deutschlands Dächern immer mehr Solarstrom produziert wird. Seit 2018 hat sich die Zahl der einspeisenden Anlagen laut Statistischem Bundesamt von knapp 1,8 Millionen auf gut 3,4 Millionen nahezu verdoppelt. Die Bundesregierung will das Tempo noch weiter steigern.
Deshalb darf der Anstieg der Arbeitsunfälle bei Höhenarbeiten in der Solarbranche nicht ignoriert werden. In den vergangenen beiden Jahren hat die Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) insgesamt 1.586 Absturzunfälle gezählt, oft mit schweren oder sogar tödlichen Folgen.
Warum ist die Zahl an Arbeitsunfällen so hoch?
Je mehr Anlagen installiert werden, desto mehr Arbeitsunfälle passieren. Doch das ist nicht der alleinige Grund. Viele Unternehmen sind erst im Zuge des Solar-Booms in die Photovoltaik-Branche eingestiegen.
Bei den „Solarteuren“ handelt es sich zudem um kein festes Berufsbild, sondern um verschiedene Gewerke – von Zimmerern über Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerkern bis hin zu Quereinsteigern. Bei der Installation komplexer PV-Anlagen kommen sie dabei mit den Risiken des Arbeitens in der Höhe in Berührung, die für ihren herkömmlichen Beruf untypisch sind.
Firmen haben ihre Pflichten in Bezug auf Aufklärungsarbeit bisher oft stiefmütterlich behandelt. Die Statistiken zu den Arbeitsunfällen belegen, dass eine bessere Ausbildung der Fachkräfte und Schulungen im Umgang mit notwendiger Sicherheitsausrüstung essenziell sind.
So gibt es etwa sogenannte Anti-Trauma-Schlingen mit speziell einstellbaren, ergonomischen Gurten zur Vermeidung eines Hängetraumas nach einem Sturz. Da diese Schlinge jedoch separat mitgeführt werden muss, haben Betroffene sie oft im Ernstfall nicht parat. Zudem ist die Anwendung für ungeschulte Arbeiter zu kompliziert.
Was können Unternehmen und Hersteller von PSA tun?
Hersteller von persönlicher Schutzausrüstung (PSA) müssen das Bewusstsein von vorhandenen Risiken, etwa einem Hängetrauma, weiter schärfen und ihr Portfolio an die steigenden Anforderungen anpassen. Integrierte ergonomische und bequeme Lösungen für den Arbeitsalltag sind essenziell, um die Sicherheit auf Baustellen zu erhöhen.
Bei Arbeiten in der Höhe – ob auf PV-Anlagen, Baustellen oder Industrie-Arbeitsbühnen – können Unachtsamkeit und Hektik schnell zu kritischen Situationen führen. Monteure oder Handwerker benötigen aus diesem Grund eine unkomplizierte Lösung zur Absturzsicherung, die Arbeitsabläufe nicht behindert. Das Kit sollte sich einfach anlegen lassen – vor allem von Anwendern, die nicht regelmäßig persönliche Schutzausrüstung tragen.
Sicherheit muss für alle oberste Priorität sein
Arbeiten auf dem Dach oder generell in der Höhe stellen ein nicht zu unterschätzendes Risiko für Mitarbeiter dar. Insbesondere bei komplexen Arbeiten wie der Installation von Photovoltaik-Anlagen.
Bisher räumen Unternehmen dem Bereich Arbeitssicherheit – entweder aus Blauäugigkeit oder schlichtem Desinteresse – noch zu wenig Aufmerksamkeit ein. Das muss sich ändern, um schwere Unfälle zu verhindern. Hierfür braucht es eine gemeinsame Kraftanstrengung von Unternehmen, PSA-Herstellern und Mitarbeitern.
Autor: Carlos Cruz, Leiter Strategic Business Unit Fall Protection, Zarges
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